Christine de Pizan, eine frühe Streiterin für die Rechte der Frauen in Europa
Im 15. Jahrhundert war es noch nicht selbstverständlich, dass sich eine Frau literarisch äußert und unter anderem ein Gedicht auf eine Zeitgenossin Die Jungfrau von Orléans veröffentlicht.
Eine europäische Frau
Christine wird 1365 in Venedig geboren. Ihr Vater, Tommaso di Benvenuto da Pizzano ist ein bekannter Astrologe. Er wird von König Karl V an den französischen Hof in Paris gerufen, wo er den König beraten soll. Seine Frau und die Tochter Christine werden ebenfalls in Ehren aufgenommen.
Töchterbildung im 15. Jahrhundert und ein achtsamer Vater
Es war selbstverständlich dass Töchter der höheren Gesellschaftsschichten in Reiten, Sticken, Nähen und Musik unterrichtet wurden. Jedoch war es nicht üblich, dass sie lesen und schreiben lernten. Das aber wünscht sich Christine und ihr Vater hindert sie nicht in ihrer intellektuellen Neugier. Seine Tochter darf die Literatur ihrer Zeit studieren. Der Königshof gibt sicher viele Anregungen und Christine nutzt sie dennoch hätte sie gern noch mehr aus den Wissenschaften erfahren, wie sie später erwähnt.
Heirat und Familie
Mit fünfzehn wird Christine de Pizan mit dem Notar und königlichen Sekretär Etienne du Castel verheiratet. Dem Paar werden eine Tochter und zwei Söhne geboren. Sie führen eine glückliche Ehe. Vielleicht hatte sie bei der Partnerwahl mitreden dürfen. Doch das Glück war nur von kurzer Dauer. Etienne, der Eheman, stirbt während einer Epedemie. Bereits vorher war der König gestorben und wenig später auch der Vater Tommaso. Diese Schicksalsschläge bringen Christine und ihre Kinder in eine schwierige wirtschaftliche Situation.
Selbständigkeit
Das literarische Werk
In den Jahren um 1400 entsteht die Gedichtsammlung Cent Ballades, Hundert Balladen. Sie experimentiert mit der Sprache, findet poetische Miniaturen und schreibt gegen die frauenfeindliche Literatur ihrer Zeit, vor allem gegen den Rosenroman, Teil 2, Roman de la Rose, von Jean de Meung (um 1275). Der hatte vor dem weiblichen Geschlecht gewarnt. Damit löst Christine eine Debatte unter den Intellektuellen aus. Um 1402 ist sie eine anerkannte Autorin. Für die bildliche Ausstattung ihrer Handschriften beschäftigt sie ganze Künstlerwerkstätten.
Ihr Hauptwerk Le Livre de la Cité des Dames ist die Utopie eines Frauenstaats. Die Allegorie der Vernunft steht für Frauen als vorbildliche Herrscherinnen, die fWissenschaften und Künste fördern. Die Allegorie der Rechtschaffenheit repräsentiert vorbildliche Frauen in Ehe, Familie Gesellschaft. Die Allegorie der Gerechtigkeit vollendet die Errichtung der Stadt der Frauen.
Résumée
Christine de Pizan hat lange vor der Französischen Revolution, wo Olympe de Gouges ihre Stimme für die Frauen und ihre die Rechte erhoben hat. Sie hat einen Gegenentwurf zu der Menschenrechtserklärung, die sich auf den Mann bezog, veröffentlicht. Aber es mussten noch einmal hundert Jahre vergehen, bis es in Deutschland Frauen erlaubt wurde zu wählen und noch einmal ungefähr fünfzig Jahre bis verheiratete Frauen einen Beruf ausüben durften. In Frankreich gilt das Frauenwahlrecht erst seit 1946. Hier wie in den meisten europäischen Ländern waren es die Frauen, die ihre Rechte einforderten.
Christine heiratet nicht wieder, wie es zu ihrer Zeit für Witwen üblich ist. Sie setzt sich an den Schreibtisch und kopiert fremde Werke. Damit kann sie sich und ihre Familie ernähren. Aber sehr bald schreibt sie selber. Sie verfasst Gedichte, in denen sie auch ihrer Traurigkeit über den Tod ihrer Mannes Ausdruck verleiht. Oder, wie bereits erwähnt, singt sie ein Lied auf Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orleans. Obwohl sie adlige Gönner findet, kommt sie immer wieder in wirtschaftliche Not und beschreibt sie. In einem Gedicht heißt es: “Streitfälle und Prozesse, das tägliche Brot der Witwen, setzten mir von allen Seiten zu.”