Palermo 2. – 11. April 2011
Present continuous
Eine Überschrift, die, wie die Veranstalter sagen, darauf hinweist, dass die Gegenwart in der Vergangenheit begonnen hat. Gegenwärtige Geschehnisse können von der Vergangenheit verstehbar werden. Von der Gegenwart her können möglicherweise auch für die Zukunft Voraussagen gemacht werden.
Mit diesen Überlegungen schien auch mir der grammatikalische Begriff passend zu sein.
Tagungsort und Unterkunft waren ein ehemaliges Karmeliter Kloster im Zentrum Palermos, umgeben von einem permanenten Marktgeschehen. Der Kreuzgang in der Mitte des convento umschließt den Innenhof und lässt einen Blick auf die bunte Kuppel der Kirche frei. Hier konnte bei strahlendem Wetter fast das ganze Programm unter freiem Himmel durchgeführt werden.
Nach einer allgemeinen Einführung in das Thema stellten sich die Teilnehmer, 42 Männer und Frauen, Alte und Junge aus ungefähr fünfzehn Nationen gegenseitig vor.
Die Stadtführung am Nachmittag mit Besuch des Grabs Friedrich II führte auch zu den habsburgischen , griechischen, maurischen und römischen Spuren. Die Führung hatte Jean-Paul, ein sehr kenntnisreicher Sizilianer, übernommen.
Bei der interkulturellen Abendveranstaltung am Dienstag unter dem Motto: “Die 70er Jahre” zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was sie an für ihr Land typischen Speisen und Kostümen mitgebracht hatten. Dazu waren Männer und Frauen aus anderen Seminaren in Paleremo eingeladen. Die Tische bogen sich und was übrig blieb, gab es am nächsten Morgen zum Frühstück.
In Gruppen von fünf bis sechs Personen, zunächst getrennt nach Lebensalter danach altersgemischt, wurden Texte erstellt, die sich auf die Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs bezogen, beziehungsweise auf die Nachkriegszeit oder die nahe Vergangenheit. Die autobiographischen Texte erstellten wir in gemischten Kleingruppen, wo diese gegenseitig vorgelesen und kommentiert wurden.
Die Busfahrt, The Cultural Visit out of Palermo, wieder unter Leitung von Jean Paul, führte unter anderem in die Provinz Trapani zum Tempel von Segesta und nach Gibellina, der im Erbeben 1968 zerstörten und wieder modern aufgebauten Stadt. Danach zu dem mit Beton bedeckten Ruinenfeld ll Cretto di Burri.
In den folgenden Tagen wurde an den persönlichen Texten und einem Poster für die Ausstellung am Samstag gearbeitet. Jede Gruppe sollte ein Plakat erstellen, das die Vision eines Europa mit offenen Grenzen ohne Vorurteile und Vorbehalte mit der Perspektive für eine europäische Identität zum Inhalt hatte.
Für die Ausstellung waren Schnüre zwischen den Pfeilern gespannt worden. Jede Gruppe befestigte daran die Texte und Gegenstände, z. B. die mitgebrachten Tücher oder Fähnchen oder die in Portugal bei Festen benutzten Pfeifen. Die ganz unterschiedlich gestalteten Plakate wurden gesondert aufgehängt.
Um Menschen aus Palermo für die Ausstellung am Samstagabend zu interessieren, wurden Papierhüte mit den jeweiligen Landesfarben gebastelt. Die Flyer informierten über Inhalt und Ort der Ausstellung. Am Nachmittag zog die Gruppe zum Foro Italico, einem Erholungsgebiet in der Nähe des Hafens.
Hier breiteten wir ein Plakat aus mit der Frage: Qual è Europa – che sogni? Damit wollten wir einladen, eigene Gedanken dazu aufzuschreiben und anzukleben.
Die Hüte und der flash mob aus den von den Jugendlichen dargestellten Buchstaben EUROPA erregten Aufmerksamkeit und gaben Anlass zu Fragen und Gesprächen der Besucher. Mit den Flyern luden wir zum Besuch der Ausstellung ein.
Mit den Dreieckshüten auf dem Kopf zogen wir durch die Stadt und über den Markt zurück in den Konvent. Im Innenhof war bereits der Tisch gedeckt mit Reis- und Hirsespeisen, Obst und Salat. Zu trinken gab es Wein und eine gewürzte Bowle. Und es kamen neben Repräsentanten der Stadt auch Besucher, die auf uns aufmerksam geworden waren. Die Texte, Plakate und die Tische mit den Informationen zu den beteiligten Gruppen wurden aufmerksam gelesen beziehungsweise angeschaut.
Mit Musik zur Harmonika wurde in Kreis getanzt oder in anderen Formationen. Später ertönte die Musik von der Konserve. Bis weit in die Nacht zog sich das Fest.
Für mich war dieser Workshop eine wunderbare Erfahrung von einer von Jung und Alt gemeinschaftlich gestalten Zusammenarbeit. Die Leitung hatten junge Leute
und es zeigte sich, dass es kein Problem war, vom festgelegten Wochenplan abzuweichen und neu zu konzipieren. Gelegentlich wurde auch improvisiert. Immer geschah es mit der notwendigen Aufmerksamkeit der Teilnehmenden.
Die Verpflegung fand im Konvent oder im gegenüber liegenden Bistro statt, mit drei Highlights in ausgesuchten Restaurants.
Das ZAWiW haben wir, Simon und ich, erfolgreich mit Informationsmaterial repräsentiert und erklärt.








